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Josef Grillmayer hört nach 21 Jahren auf PDF Drucken E-Mail
Freitag, 6. März 2020
   Josef Grillmayer gibt nach 21 Jahren das Amt des 1. Gauschützenmeisters ab Von großen Triumphen bis zu tragischen Ereignissen
Hilpoltstein
erstellt am 04.03.2020 um 18:09 Uhr
aktualisiert am 04.03.2020 um 18:47 Uhr, Hilpoltsteiner Kurier, Jochen Münch, Hilpoltstein

Josef Grillmayer gibt nach 21 Jahren das Amt des Gauschützenmeisters im Schützengau Schwabach-Roth-Hilpoltstein ab

Hilpoltstein - Im Schützengau Schwabach-Roth-Hilpoltstein geht eine Ära zu Ende: Nach mehr als zwei Jahrzehnten im Amt des Gauschützenmeisters und insgesamt sogar über vier Jahrzehnten ehrenamtlicher Arbeit im Schützenwesen stellt sich Josef Grillmayer bei der Gauversammlung am kommenden Samstag nicht mehr zur Wiederwahl. "Ich werde bald 71, da darf man aufhören", sagt der Hilpoltsteiner, der seinen Posten zwar mit etwas Wehmut, aber auch mit einem guten Gefühl übergibt.

 
 Das Gesicht des Schützengaus Schwabach-Roth-Hilpoltstein ist Josef Grillmayer über viele Jahre hinweg gewesen. Zu den Höhepunkten seiner Amtszeit zählt Grillmayer die Anschaffung einer eigenen Gaustandarte, die auf diesem Bild im Hintergrund zu sehen ist.

Denn die Nachfolge ist längst geregelt. Zum neuen Gauschützenmeister soll Dieter Emmerling von der SG Thalmässing gewählt werden, der in den vergangenen zehn Jahren schon Grillmayers Stellvertreter war. Als neue Stellvertreter stehen Rolf Stein vom SV Kleinschwarzenlohe bereit, der bislang schon als Schatzmeister des Schützengaus tätig war und dieses Amt auch behalten will, sowie Michael Kahr von den Böllerschützen Land um Stauf. "Es wird also keinen großen Umbruch im Schützengau geben", sagt Josef Grillmayer kurz vor seinem Abschied im Gespräch mit unserer Zeitung. "Da übernehmen sehr erfahrene Leute. "
Das sei bei seinem eigenen Werdegang ganz anderes gewesen, erzählt Grillmayer, der sich im Jahr 1977 der königlich privilegierten Feuerschützengesellschaft (FSG) Hilpoltstein anschloss und ein Jahr darauf schon in den Vereinsausschuss gewählt wurde. 1980 stieg er bereits zum stellvertretenden Schützenmeister auf und 1986 zum Chef der FSG. Die Ende der Fahnenstange war damit aber nicht erreicht. Nur vier Jahre später gab Grillmayer den Führungsposten bei den Hilpoltsteiner Schützen auf, als er vom damaligen Gauschützenmeister Christian Krüger aus Georgensgmünd zum Stellvertreter auserkoren wurde. 1999 trat Grillmayer schließlich die Nachfolge Krügers an und stand seitdem an der Spitze der 37 Vereine mit aktuell rund 4400 Mitgliedern.
Für die hat sich Josef Grillmayer in seiner Amtszeit nicht zuletzt als Dienstleister gesehen. Neben seinem Beruf als technischer Beamter bei der Telekom war es ihm in seiner Freizeit eine Herzensangelegenheit, auch den Schützengau Schwabach-Roth-Hilpoltstein auf einen technisch guten Stand zu bringen. Sei es die Umstellung auf eine EDV-Verwaltung oder die Begleitung der Vereine bei der Umstellung auf elektronische Schießstände. Etwa die Hälfte der Vereine besitzt inzwischen eine moderne Anlage, die jeden Schuss sofort auf einem Bildschirm anzeigt.
Da die Schützinnen und Schützen aus dem Gau Schwabach-Roth-Hilpoltstein so gut ins Schwarze zielen, kam Josef Grillmayer bald nach seinem Amtsantritt die Idee, eine eigene Sportlerehrung zusätzlich zum Ehrenabend des Landkreises auf die Beine zu stellen. Nach der Premiere dieser Veranstaltung, die seit 2001 alljährlich im festlichen Rahmen auf Burg Abenberg stattfindet, dauerte es auch nicht lang, bis der Schützengau dort seine erste deutsche Meisterin feiern durfte. Und es sollten auf Rita Pamer von der SG Thalmässing noch viele Goldmedaillengewinner folgen, und zwar nicht nur bei der deutschen Meisterschaft, sondern auch bei der Europameisterschaft und sogar der Weltmeisterschaft.
Als herausragend bezeichnet der Gauschützenmeister im Rückblick die Erfolge der Thalmässinger Vorderladerschützen um den mehrfachen Weltmeister Roland Juranek. Große Freude bereiteten Josef Grillmayer aber auch die Erfolge der Luftpistolenschützen seines Heimatvereins, die inzwischen zum wiederholten Mal den Aufstieg in die 1. Bundesliga schafften. "Da bin schon stolz, dass es sich so entwickelt hat", sagt Grillmayer, auch wenn die Hilpoltsteiner Pistolenschützen bislang nach jedem Aufstieg den sofortigen Abstieg aus der 1. Bundesliga antreten mussten.
Aber nicht nur die Aushängeschilder des Schützengaus bereiteten Josef Grillmayer viel Freude. Eine "tolle Entwicklung" ist für ihn in der Kerndisziplin, beim Luftgewehrschießen, der Aufschwung der Frauen. "Die besten Schießsportlerinnen bei uns sind inzwischen die Damen", sagt der Gauschützenmeister und verweist auch hier auf seinen Heimatverein. Das aktuelle Bayernligateam der FSG Hilpoltstein bestehe nämlich aus vier Frauen und nur noch einem Mann. Als eine echte Bereicherung des Schützenwesens in der Region bezeichnet Grillmayer auch den Aufwärtstrend beim Bogenschießen. Wurde anfangs nur in Roth und Schwabach mit dem Bogen geschossen, seien es inzwischen schon 15 Vereine und es gebe sogar längst eigene Rundenwettkämpfe.
Bei aller Freude, die Josef Grillmayer an seinem Amt hatte, gab es für den Gauschützenmeister auch einige Schattenseiten. Er meint dabei "die schlimmen Vorkommnisse", die ihn durch die gesamte Amtszeit begleiteten und die sich in den vergangenen Jahren häuften.
"Von solchen Nachrichten wird der Schießsport enorm geschädigt. Und kaum ist dann wieder Ruhe eingekehrt, richtet schon wieder einer so ein Unheil an", sagt Grillmayer. "Aber wir haben das einfach nicht verdient. " Schließlich gebe es in Deutschland schon jetzt das schärfste Waffenrecht in ganz Europa. Und der Eindruck, dass man als Mitglied im Schützenverein spielend leicht an eine eigene Waffe käme, sei völlig falsch, findet der Gauschützenmeister. Bevor sich jemand eine eigene Waffe kaufen könne, müsse derjenige erst einmal ein Jahr einem Schützenverein angehören. Und der benötigte Bedürfnisausweis werde von den Verantwortlichen in den Vereinen alles andere als leichtfertig ausgestellt. "Da wird ganz genau hingesehen, ob da jemand als Sportler dabei sein will oder ob da jemand einfach nur an eine Waffe kommen will", sagt der Gauschützenmeister, der die Vereine in seinem Bereich als sensibel und gut informiert bezeichnet.
Trotzdem ist niemand davor gefeit, dass es einmal mehr ein Sportschütze ist, der Schlimmes anrichtet. "Wenn ich so etwas höre, geht mir das durch Mark und Bein", sagt Grillmayer. Besonders getroffen hätten ihn dabei die tödlichen Schüsse, die ein sogenannter Reichsbürger im Oktober 2016 in Georgensgmünd auf einen Polizisten feuerte, als die vielen Waffen in seinem Haus nach dem Entzug der Waffenbesitzkarte beschlagnahmt werden sollten. Der Todesschütze gehörte, wie sich schnell herausstellte, dem Heidecker Schützenverein an und war damit auch Teil des Schützengaus Schwabach-Roth-Hilpoltstein.
"Aber das wird unserem Sport einfach nicht gerecht, wenn so ein Verrückter durchdreht", sagt Grillmayer, der nicht erst seit den tödlichen Schüssen in Georgensgmünd immer und immer wieder einen verantwortungsvollen Umgang anmahnt.
Das hofft Josef Grillmayer inständig auch für die Zeit nach dem kommenden Samstag, wenn er das Amt des Gauschützenmeisters abgegeben hat. Sorgen, dass ihm dann langweilig werden könnte, müsse man jedenfalls nicht haben, sagt der noch 70-Jährige. Schließlich gebe es die Familie, das eigene Haus und das Tennisspielen beim TC Rot-Weiß Hilpoltstein. Und als Schütze ist Grillmayer ja auch noch aktiv. Bei den Senioren, die mit dem aufgelegten Luftgewehr schießen, hat er erst am vergangenen Sonntag seinen Titel als Gaumeister verteidigt. An diesem Samstag wird nun wohl gleich der nächste Titel hinzukommen. Nämlich, wenn ihn der Schützengau zum Abschied zum Ehrengauschützenmeister ernennt. HK
 
WAHLEN UND ABSCHIED
Die Gauversammlung des Schützengaus Schwabach-Roth-Hilpoltstein findet am Samstag, 7. März, statt. Beginn ist um 13.30 Uhr im Gemeindesaal Rednitzhembach, Rathausplatz 4. Im Mittelpunkt der Versammlung stehen Ehrungen und Wahlen sowie die Verabschiedung des Gauschützenmeisters Josef Grillmayer.